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Manuelle Therapie

Urheber dieses Textes ist der Deutsche Verband Manuelle Therapie (Maitland-Konzept)  www.dvmt.org

Was ist Manuelle Therapie nach dem Maitland-Konzept ?

Einer der Grundsätze Manueller Therapie nach dem Maitland-Konzept ist, dass sich die Überlegungen des Therapeuten in Bezug auf die Beurteilung des Problems und das Management des Patienten stets auf zwei Ebenen bewegen müssen.

Das Denken auf zwei Ebenen (Brickwall-Konzept) beeinflusst die klinische Schlussfolgerung

Auf der einen Ebene werden auf der Basis von theoretischem Wissen und der persönlichen Erfahrung der Therapeutin Hypothesen, z.B. in Bezug auf die Ursache der Störung und die dafür verantwortlichen Strukturen, gebildet.
Auf einer zweiten Ebene wird das gesamte klinische Bild erfasst. Über die verschiedenen Aspekte des Problems werden umfassend Informationen gesammelt.

Das Maitland-Konzept fordert von der Therapeutin, dass sie jede Hypothese, die sie auf der einen Ebene vor dem Hintergrund theoretischen Wissens gebildet hat, anhand der durch Anamnese und klinische Untersuchung gewonnenen Informationen kritisch überprüft.

D.h. das klinische Bild, das Verhalten der Beschwerden im Alltag, die Geschichte des Patienten, Testergebnisse aus der physikalischen Untersuchung, wie natürlich letztlich auch die Reaktion auf die Behandlungstechnik, müssen mit den aufgestellten Hypothesen in Einklang gebracht werden können.

Passen die Merkmale, die auf der klinischen Ebene beobachtet werden, nicht zu den Hypothesen auf der theoretischen Ebene, so sind diese zu verwerfen. Neue Hypothesen müssen dann entwickelt werden. Reichen die bis dahin gewonnenen Informationen dazu nicht aus, so müssen diese fehlenden Schlüsselinformationen mit Hilfe geeigneter Verfahren auf der klinischen Ebene gewonnen werden.
Konsequent wird von der Therapeutin ein hohes Maß an Selbstkritik, Disziplin und geistiger Flexibilität erwartet.

Das Maitland-Konzept fordert eine kontinuierliche analytische Beurteilung ausdrücklich vor, während und nach der Behandlung.
Die Therapeutin muss ihr Vorgehen ständig durch Wiederholung der wichtigsten relevanten Tests evaluieren. Diese Prozedere ist durchaus nicht umständlich und zeitraubend wie es auf den ersten Blick scheint. Im Gegenteil, es wird damit verhindert, dass starre diagnostische Titel den therapeutischen Blick einengen und die Qualität des Managements des Patienten negativ beeinflussen.

Trotzdem fordert das Konzept von der Therapeutin ausdrücklich, sich in Form einer Arbeitshypothese, die sie laufend auf ihre Gültigkeit überprüft, festzulegen.
Dies führt einerseits zu bewusstem therapeutischem Vorgehen und erhält anderseits die Fähigkeit zu offenem Denken. Dogmatisches Denken wird dadurch verhindert, geistige Flexibilität dagegen gefördert.

Die klinische Ebene stellt damit ausdrücklich den individuellen Patient mit seinem individuellen Problem in den Mittelpunkt.

Wie bereits erwähnt, beinhaltet das Maitland-Konzept eine spezifische Art des Denkens und Handelns sowohl bei der Befunderhebung als auch bei der Behandlung von Funktionsstörungen peripherer Gelenke, der Wirbelsäule und neuraler Strukturen.

 Charakteristisch sind hierbei:

    Eine präzise Anamneseerhebung, einerseits zum Zweck einer möglichst genauen Identifizierung und Einschätzung des Problems, andererseits, um später sich ergebende - auch feinste - Veränderungen im Charakter der Beschwerden sofort zu erfassen.

    Ein dosiertes Reproduzieren der Beschwerden (außer radikulären Symptomen) durch die Bewegungstests, wobei sowohl die problematische Bewegungsrichtung als auch die Qualität des Schmerzes größtmögliche Übereinstimmung mit den vom Patienten beschriebenen Merkmalen seiner Beschwerden aufweisen sollen. Dadurch wird verhindert, dass "am Problem des Patienten vorbei" behandelt wird.

    Schonende Mobilisationstechniken kleinerer oder größerer Amplitude, die in verschiedenen Bereichen des zur Verfügung stehenden Bewegungsspielraumes ausgeführt werden können. Sie dienen sowohl der Befundaufnahme als auch der Behandlung.

    Eine am spezifischen Problem des Patienten orientierte Behandlung, die sich ihre Effektivität durch ständiges Evaluieren zu bestätigen versucht und eine rasche Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Befunde aufweist.

    Der Denkprozess des Physiotherapeuten, der sich fortwährend auf zwei Ebenen bewegt: einer eher theoretischen und einer eher klinischen. Dieses Charakteristikum ist das Zentrale am Maitland-Konzept.

 Jede Behandlungstechnik ist ein Produkt der Erfindungsgabe (G. D. Maitland)

Das Konzept rechnet gezielt eingesetzte Mobilisationen von Gelenken und neuralen Strukturen zu den wichtigsten Behandlungsarten innerhalb der Gesamtheit physikalischer Therapiemaßnahmen. Sie werden sowohl bei akuten wie auch bei chronischen Beschwerden in der jeweils adäquaten Form angewendet. Zur Unterstützung werden bei Bedarf andere physikalische Maßnahmen, wie Thermo-, Kryo- und Elektrotherapie, eingesetzt. Je nach klinischem Bild werden früher oder später Automobilisationen, sowie allgemeine Haltungsschulung und Ratschläge für die Gestaltung des Arbeitsplatzes in das Management des Patienten integriert.
Das Denken auf der klinischen Ebene erfordert es, dass Koordination, Ausdauer und Kraft ebenfalls beurteilt und wenn notwendig verbessert werden müssen, um Rezidive zu vermeiden.

 Management des Patienten

Das Management des Patienten durch den Physiotherapeuten sollte in multidisziplinärer Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Die Diagnose des Arztes wird durch eine physiotherapeutische Beurteilung, die Informationen über Art und Ausmaß der vorliegenden Funktionsstörungen liefert, ergänzt.

Im Maitland-Konzept (wie auch in anderen manualtherapeutischen Konzepten, die gezielt Mobilisationen einsetzen,) richtet sich die Behandlung auf Funktionsstörungen des Stütz- und Bewegungsapparates ohne gefährliche Pathologie.

 Subjektive Befunderhebung (C/O)

Bei der subjektiven Befunderhebung werden Symptome, wie Schmerz, Steifigkeit oder Parästhesien, entsprechend der jeweiligen Lokalisation und Qualität auf einem Körperschema eingetragen.
Für jeden Symptomenbereich wird die Entwicklung dieser Beschwerden seit ihrem ersten Auftreten erfragt und dokumentiert.
Ebenso wird das Verhalten der Beschwerden während des Tages und der Nacht erfasst.

Diese detaillierten Angaben dienen dazu, den momentanen Zustand und den Grad der Stabilität oder Progression der Erkrankung zu erfassen. In Überlegungen darüber müssen die Erkenntnisse aus von ärztlicher Seite vorgenommenen Untersuchungen (z.B. bildgebende Verfahren, Laborergebnisse, usw.) mit einbezogen werden.

Aus den so gewonnenen Informationen ergeben sich Hinweise auf eventuelle Kontraindikationen oder Anhaltspunkte zu besonderer Vorsicht bei der Behandlung.

 Die Kunst, aufmerksam zuzuhören:

Um möglichst präzise Informationen zu erhalten, sollte der Therapeut zunächst aufmerksam zuhören und der spontanen Symptombeschreibung durch den Patienten viel Raum einräumen. Vorschnelle Interpretationen müssen unter allen Umständen vermieden werden.

 Die Therapeutin erarbeitet sich während des Gesprächs Hypothesen über:

  • die Strukturen, die sie untersuchen muss.
  • die Art der Störung.
  • die Irritierbarkeit des bestehenden Krankheitszustandes.
  • die das Problem verursachenden Faktoren.
  • die Prognose.
  • Kontraindikationen.

 Die physikalische Untersuchung

Im Rahmen der physikalischen Untersuchung (P/E) wird versucht, mit Hilfe geeigneter Bewegungstests in den Strukturen, die als Quelle der Symptome in Frage kommen, die vom Patienten beschriebenen Symptome zu reproduzieren.
Hat die Therapeutin die verantwortliche/n Struktur/en identifiziert, so bleibt Sie trotzdem verpflichtet, auch andere Strukturen die ebenfalls für Symptome in den vom Patient angegebenen Bereiche verantwortlich sein könnten, durch spezifische Tests aus der Liste der Verdächtigen auszuschließen.

Alle passiven Testbewegungen werden einzeln analysiert.
Die Kriterien dafür sind Schmerz, Steifheit und reflektorischer Muskelspasmus.
Besondere Aufmerksamkeit wird der Beziehung dieser Faktoren zueinander gewidmet.
Für die Entscheidung welche Behandlung indiziert ist, ist es zum Beispiel von Bedeutung, wo im verfügbaren passiven Bewegungsbereich der Schmerz beginnt und wie er sich verhält, wenn die Bewegung passiv weiter geführt wird. Ebenso ist es von Bedeutung ob die Bewegung durch Schmerz oder Steifheit limitiert wird. Auch die Beobachtung eines reflektorischen Muskelspasmus führt zu weiteren Überlegungen.

 Bewegungstests

Die Bewegungstests werden sowohl in der Untersuchung als auch zur Behandlung in kleinen und größeren Amplituden rhythmisch und in verschiedenen Geschwindigkeiten durchgeführt.

 Im gesamten Ausmaß einer Mobilisation werden vier Grade unterschieden:

Grad I ist eine sehr kleine und Grad II eine sehr große Amplitude, beide nahe am Beginn der Bewegung; sie sind definiert als Bewegungen, die keine Weichteilstrukturen unter Zug setzen. Sie sind also vor dem Ende der freien Beweglichkeit lokalisiert.

Grad III ist eine große und Grad IV eine kleine Amplitude, beide nahe dem Ende des Bewegungsweges. Diese Bewegungen beinhalten Zug oder Druck im bewegten Gelenk selber, oder im gelenknahen Gewebe und gehen in den Teil des verfügbaren Bewegungsausmaßes hinein, in dem der Therapeut bereits deutlicheren Widerstand bei einer passiven Mobilisation verspürt.

Permanente Anpassung der Behandlungstechnik.

Ist Schmerz im Gelenk der dominierende und bewegungslimitierende Faktor, besteht die Behandlung aus feinen, langsamen Zusatzbewegungen mit kleiner Amplitude, die absolut ohne Schmerz, sehr sanft und ohne jegliche Dehnung von Weichteilen am Beginn des Bewegungsweges ausgeführt werden (Grad I).

Steht Steifheit / Bewegungseinschränkung im Vordergrund, wird das Gelenk sowohl mit Zusatz- als auch mit physiologischen Bewegungen, die die Gelenkstrukturen unter Zug / Druck setzen (Grad III, IV), behandelt. Die Schmerzreaktionen des Patienten werden bei der Dosierung berücksichtigt. Um sicher zu sein, dass eine gewählte Technik den gewünschten Effekt auf das Verhalten von Schmerz, Steifigkeit und ggf. die reflektorischen Schutzspannungen hat, folgt nach jeder Applikation eine Wiederholung der Testbewegungen. Dieses Vorgehen ermöglicht eine permanente Anpassung der Behandlungstechniken an Veränderungen hinsichtlich des Gelenkproblems.

„Urheber dieses Textes ist der Deutsche Verband Manuelle Therapie (Maitland-Konzept)  www.dvmt.org